Unterwegs

Noch den Reisewasserkocher in den Koffer und ein paar Päckchen von meinem Lieblings-Instant-Cappuccino. Wenn nur die Wanderschuhe nicht so viel Platz wegnehmen würden! Den Reiseführer in den Tagesrucksack… Hab ich jetzt das Ladegerät für die Kamera schon eingepackt oder nicht? Mit nutzloser Wehmut denke ich an die Zeiten, als ich mit leichtem Gepäck und ohne jede elektronische Ausstattung verreist war, weil es die schlichtweg noch nicht gab.

Das Reisefieber steigt, jene ganz spezifische Mischung von Vorfreude, Nervosität und gespannter Erwartung. Wieder mal zieht es mich in die Ferne – dabei ist die doch nie dort, wo ich mich gerade befinde.

Das Geld für meine ersten Englandreisen verdiente ich mir schon während der Schulferien. Als ich zu studieren begann, genügte England mir nicht mehr, und so jobbte ich in den Semesterferien wochenlang in einer Fabrik, um meine erste USA-Reise zu finanzieren. Als ich dann an einem warmen Sommerabend hoch oben auf dem Empire State Building stand und zusah, wie sich die Dämmerung über New York legte und ein Meer von Lichtern zu funkeln begann, da fühlte ich mich von dieser Stadt berauscht, als hätte ich eine Flasche Champagner geleert.

Im selben Jahr lernte ich meinen zukünftigen Mann kennen. Auf Reisen, wie es zu mir passte. Unsere gemeinsame Geschichte begann in Cardiff, Wales, wo wir beide ein Auslandssemester verbrachten. Ein attraktiver Mann – denn er besaß einen roten VW Käfer, mit dem wir in diesem halben Jahr Tausende von Kilometern durch Wales, Irland und Schottland rollten.

Ein Jahrzehnt später. Wir beladen unseren VW Passat Kombi für den großen Sommerurlaub. Auf den Rücksitzen haben sich unsere beiden Kinder eingerichtet, mit Büchern, Bibi-Blocksberg-Kassetten und unzähligen Stofftieren. Wir packen Reisetaschen, Lebensmittelkisten, Sandschaufeln und Schlauchboot in den Kofferraum, auf dem Dachgepäckträger zurren wir vier Fahrräder fest. Nordsee, Ostsee, Dänemark, Schweden und Norwegen sind in diesen Jahren unsere Ziele. Wir wollen unseren Kindern zeigen, wie unglaublich schön und spannend die Welt ist. Sie lernen fremde Währungen kennen und eignen sich mühelos die ersten Wörter in fremden Sprachen an.

Ein weiteres Jahrzehnt später. Die Kinder sind groß und haben eigene Urlaubspläne. Mein Mann und ich starten von Frankfurt aus in den ersten gemeinsamen USA-Urlaub. Als wir in Portland, Oregon, aus dem Flieger steigen, erblicke ich in der Ferne den schneebedeckten Gipfel des Mount Hood. Eine Traumreise beginnt…

Nordamerika wird uns für viele Jahre nicht mehr loslassen.